englishE9N - ENSEMBLE 9. NOVEMBER

PREMIERE:
GALLUS THEATER
Fr. 8. Okt. 2010, 20 Uhr

„SIMPLICIUS SIMPLICISSIMUS“




Fotos: Wilfried Fiebig

WEITERE AUFFÜHRUNGEN:


Oktober 2010
Sa. 9.10. 20 Uhr
So. 10.10. 20 Uhr
Di. 12.10. 20 Uhr
Do. 14.10. 20 Uhr
Fr. 15.10. 20 Uhr
Sa. 16.10. 20 Uhr
November und Dezember
Mo. 29.11. 9 Uhr, 11 Uhr
Di. 30.11. 9 Uhr, 11 Uhr
Mi. 1.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Do. 2.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Fr. 3.12. 9 Uhr, 11 Uhr
So. 5.12. 15 Uhr
Mo. 13.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Di. 14.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Mi. 15.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Do. 16.12. 9 Uhr, 11 Uhr
Fr. 17.12. 9 Uhr, 11 Uhr, 20 Uhr
Sa. 18.12. 15 Uhr, 20 Uhr
So. 19.12. 15 Uhr, 20 Uhr
Mi. 22.12. 15 Uhr
Do. 23.12. 15 Uhr
Vormittagsvorstellungen
nur mit Voranmeldung.

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de


Das abenteuerliche Leben eines Findelkindes im Spessart
erzählt in Musik-Theatralischen Bildern vom Ensemble 9. November.
Nach Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen.
Aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts von Reinhard Kaiser.

Regie und Dramaturgie:
Wilfried Fiebig
Spielerische Interventionen:
Helen Körte

Darsteller/innen:
Jens Böke
Simone Greiß
Ruth Klapperich
Claudio Vilardo

Gesang (Mezzo):
Gabriele Zimmermann
Musik:
Claudia Hornbach (Akkordeon)

Musikalische Konzeption, Bühne/Objekte, Kostüme:
Wilfried Fiebig

Mit freundlicher Unterstützung: Eichbornverlag FFM, Kulturamt Frankfurt/M,
Jugend- und Sozialamt Frankfurt/M, Hochschule für Gestaltung Offenbach/M

„ENSEMBLE 9. NOVEMBER“

www.e9n.de
info@e9n.de


   

Wiederaufnahme:
Do. 04. November
Fr. 05. November
Sa. 06. November
Jeweils 20.00 Uhr

„TANZ DER HEUSCHRECKEN“
oder „Die geheimen Gedanken
der Manager“








Fotos: Sabine Lippert

PREMIERE:


Do. 18. MÄRZ 2010
20:00 UHR

WEITERE AUFFÜHRUNGEN:


Fr. 19. März
Sa. 20. März
So. 21. März
Do. 25. März
Fr. 26. März
Sa. 27. März
Jeweils 20.00 Uhr

WIEDERAUFNAHME IN MAI :
Do. 6. Mai
Fr. 7. Mai
und Samstag 8. Mai 2010 Jeweils 20.00 Uhr

Wiederaufnahme:


Do. 04. November
Fr. 05. November
Sa. 06. November
Jeweils 20.00 Uhr

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de


Die Produktion: „Tanz der Heuschrecken“ befasst sich mit dem, vom E9N Theater dramatisierten, Roman : „Marge brute“ (deutscher Titel :“Und morgen bin ich dran. Das Meeting“) , des französischen Autors Laurent Quintreau.
Es ist eine derbe Abrechnung mit der modernen turbokapitalistischen Hölle, ihren polierten Oberflächen und den sich darunter verbergenden zerbrochenen Seelen.

Inhalt:

Anlaß ist ein, ins Groteske gesteigertes, Vorstandstreffen, das Meeting. Über allen Köpfen kreist das Damoklesschwert der Kündigung. Leicht angelehnt an Dantes Inferno (Göttliche Komödie) : Vorhölle , Fegefeuer , Paradies, werden in zehn inneren Monologen, die Leiden der Teilnehmer nach außen gekehrt.
Angst, Hoffnung, Rache, Verruchtheit, werden von bösartigen Zuckungen der Charaktere, in allerlei Varianten, mit Verbalzwillen abgefeuert. Von ihnen erfährt nur der Zuschauer , während dies alles, zwischen den Teilnehmern des Meetings, ein wohlgehütetes Geheimnis zu bleiben scheint.
Das E9N, in seiner Dramatisierung und musik-theatralischen Ausführung, interpretiert diesen Romanstoff , nicht unähnlich Dantes Höllen-Komödie, ebenfalls als eine Tragikomödie. Vor unserem inneren Auge läuft ein parodistisches Psychogramm eines, bis ins Letzte, verinnerlichten Verkaufsdenkens: MODERN TIMES , oder : „Der Untergang des Abendlandes beginnt im Konferenzraum...wäre da nicht der Poet, als rettender Anker!

Das „Ensemble 9. November“ vereint, in seiner gesamtkünstlerischen Arbeitsweise, Spiel, Musik, Gesang, Tanz und bildende Kunst, in einer alles umfassenden Bühnen- Sprache.

REGIE: Helen Körte
MUSIK / KOMPOSITION: Elvira Plenar, Martin Lejeune
DARSTELLER / INNEN: Hanna Linde, Verena Specht-Ronique,
Mirjam Tertilt, Jens Böke, Willi Forwick, Claudio Vilardo
CHOREOGRAFIE: Guido Markowitz
BÜHNE/OBJEKTE: Wilfried Fiebig
KOSTÜME: Margarete Berghoff
LICHT: Sebastian Schackert
PROJEKTIONEN: Jörg Langhorst, Wilfried Fiebig
FOTOS: Sabine Lippert

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturamt Frankfurt am Main,
Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst,
Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

„ENSEMBLE 9. NOVEMBER“

www.e9n.de
info@e9n.de



PRESSESTIMMEN


Frankfurter Allgemeine Zeitung 23.3.2010

Lustig ist das Insektenleben
Es sei denn, man hüpft in die Falle: Das Frankfurter Gallus-Theater zeigt
„Tanz der Heuschrecken“

Heuschrecken - allerliebste Tiere, wenn sie auf Sommerwiesen herumhüpfen. An diese harmlosen Vertreter der Ordnung Ensifera und Caelifera hat der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering gewiss nicht gedacht, als er vor fünf Jahren Hedgefonds und ähnliche Raffgier-Vereinigungen als Heuschreckenplage bezeichnete. Ihm vor Augen standen vielmehr die gefräßigen Schwärme der Wanderheuschrecken, welche von Region zu Region wandern und eine ratzekahl gefressene Vegetation zurücklassen.
Im Frankfurter Gallus-Theater, also noch in Sichtweite der Kapitalhüpfer in den Banktürmen, springt jetzt ein Einsatzkommando solcher Müntefering-Heuschrecken herum. Der Einfall auf die Bühne, den Oberschrecke Rorty, Vorstandsvorsitzender eines multinationalen Unternehmens, und seine durch Umstrukturierungspläne verschreckten Unterschrecken vornehmen, verdankt sich dem Einfallsreichtum der Regisseurin Helen Körte. Sie hat unter dem Titel „Tanz der Heuschrecken“ den Roman „Und morgen bin ich dran - Das Meeting“ des französischen Autors Laurent Quintreau, im wahren Leben Artdirector eines Pariser Werbeunternehmens, zu einem Theaterstück verwandelt, das die geheimen Gedanken der Manager ausspricht: In Worten, Bildern, Farben, Skulpturen, Songs, Tanzfiguren, Film und Musik. So also, wie es Körte in ihrem unverwechselbaren multimedialen Stil seit vielen Jahren macht. Wirtschaftsheuschrecken – dies lernt man aus dem Stück – fressen im Gegensatz zu Wanderheuschrecken nicht nur Länder kahl, sie fallen auch übereinander her und zerstören in ihrer Fixiertheit auf die Steigerung der Gewinnmargen oder die Reduzierung der Lohnkosten ihr eigenes Inneres, ihre Identität und Menschenwürde. Sie mutieren zu Schrumpfpersönlichkeiten, zu insektenhaften Wesen, gesteuert von ihrer Triebstruktur: von Gehässigkeit, Eifersucht, Geilheit, Größenwahn und Frustration.
Alle sitzen sie in diesem Stück in der Falle, am Ende auch der skrupellose Rorty, dessen Darsteller Willi Forwick mit seinen unter die Füße geschnallten Prothesen tatsächlich einer Heuschrecke ähnelt. Doch vorerst thront der Konzernchef auf einem hölzernen Herrscherstuhl und tyrannisiert seine Manager, die in ihre von Bühnenbildner Wilfried Fiebig skulptural einfallsreich gestalteten Schreibtisch-Gefängnisse eingezwängt sind (Hanna Linde, Verena Specht-Ronique, Mirjam Tertilt, Claudio Vilardo, Jens Böke). Ihr Fluchtweg vor Leistungszwang und Furcht vor Jobverlust führen diese Damen und Herren in den Tagtraum. Hier führen sie einen inneren Monolog, der immer wieder zu einer Suade gegen den Chef, die Kollegen und gegen sich selbst ausartet.
„Tanz der Heuschrecken“ ist weit entfernt vom Agitationstheater, das zum Sprengen der Ketten aufruft. Die musikalische Groteske verbildlicht vielmehr die innere Hölle von Menschen-Insekten, die durch den Druck der Konkurrenzverhältnisse ihr Ich verloren haben. In zehn Bildern breitet Körte die Höllenfahrt der Manager aus, manche der Bilder prägen sich nachhaltig ein. Schade, dass Franz Müntefering die Inszenierung nicht sehen wird. Der alte Heuschrecken-Fachmann könnte im Gallus-Theater auf seinem Spezialgebiet etwas dazulernen.

HANS RIEBSAMEN


Feuilleton Frankfurter Rundschau 22.3.2010

Das Gestell der Moderne
In „Tanz der Heuschrecken...“ entdeckt das Ensemble 9. November die Ausweglosigkeit der Krise

Es beginnt wie ein Standard-Statement zum Gewinn-Hype der Gegenwart: Ein bisschen flach die Sache mit den Heuschrecken, wie damals in „Jud Süß“, wo die Sprung-Insekten bereits als Schlagwort für das zerstörerische Finanzjudenkapital herhalten mussten (komisch, dass das heutzutage niemanden stört). Aber für das Ensemble 9. November ist ein stereotypischer Kern immer nur der Anlass, die Ober- und Untertöne eines Schlagworts, die Macht der Schwingungen und Strömungen in den einzelnen Akteuren, ihren Körpern, ihren Stimmen und ihren Gesten zu aktivieren. Und wie immer, so auch jetzt wieder, beim „Tanz der Heuschrecken“ im Gallus Theater ist, ein großer Pluspunkt die Verlängerung der Interaktion der Spieler in ihre szenischen Prothesen hinein, die Wilfried Fiebig entworfen hat: Gestänge, Schnüre-Konstruktionen, Gerätschaften und Stuhl-Skulpturen, die die börsennotierten und gewinnorientierten Manager- Akteure auf Trab und im Griff halten. Man bewegt sich buchstäblich im Gestell der Moderne mit ihrer edel-klassischen Stahlrohr-Ästhetik, die zwängt und stachelt, mal auf große Fahrt geht und die schönste, choreografierte Bühnenarchitektonik abgibt.

Wünsche der Eingezwängten

Der Purismus der Edel-Sachlichkeitsform und dazwischen die unabgegoltenen Wünsche der Eingezwängten: Der 2006 in Frankreich erschienene Roman „Marge brute“ von Laurent Quintreau ist die Grundlage der knapp zweistündigen Aufführung, die Helen Körte als multimediales Aktionstheater präsentiert. Im Verein mit der psychodramatischen Klangkulisse von Elvira Plenar und Martin Lejeune, mit den Fiebig-Objekten und Bildprojektionen, mit den Kostümen Margarete Berghoffs und dem Licht Sebastian Schackerts ein Gesamtkunstwerk, das immer mehr Facetten zeigt. Ein hübscher Tanz mit hervorragenden Schauspielern (stellvertretend: Willi Forwick) und exzellenten Songs am Abgrund, an dem sich das Verstricktsein in den vibrierenden Maschen der Regelkreise sowohl in den Menschen selbst als auch zwischen ihnen ausdrückt. Keiner, ob oben oder unten, kann entkommen, das Gestell ist allmächtig und über den gestellten Menschen-Insekten könnten sich an diesem Abend Adorno, Foucault und Heidegger die Hände reichen.

BERNHARD USKE

STRANDGUT, Das Kulturmagazin Mai 2010

Gallus Theater
TANZ DER HEUSCHRECKEN:
Kretins wie wir.

Manager sind auch nur Menschen. Selbst jene, die Politiker gerne als eine die ach so soziale Marktwirtschaft pervertierende Plage denunzieren. Im Roman "Marge brut" seziert Laurent Quinceau die Spezies, indem er eine Vorstandssitzung aus der Sicht der Teilnehmer schildert. „Die geheimen Gedanken der Manager“ untertitelt E9N-Regisseurin Helen Körte das Stück, das sie daraus macht. In dem entpuppen sich die beruflichen Rollen schnell als bloße Fassade eingefleischter Ängste und Wünsche. Unter dem Druck von Krise und Konkurrenz verrenken sie sich, wie auf immer heißer werdenden Herdplatten. So kaputt der geile Pujol die fette Bremont oder Boss Rorty auch scheinen: Ihre Welt ist uns erschreckend vertraut. Alles Kretins – wie du und vielleicht auch ich. Körte inszeniert diese Innenwelten als Heuschreckentänze. Sechs Schauspieler sind in Käfig- korsette gezwängt, mit Telephonstrippen geknebelt und robote(r)n auf Geheiß im Takt, um dann traum- oder albtraumhaft aus ihren Rollen zu brechen. Ein Höhepunkt : Verena Specht-Ronique als verführerische Spinne im Netz. Das von den Musikern Elvira Plenar und Martin Lejeune untermalte Schauspiel mit Choreographien, Videos, Songs und skurrilen Geräten beansprucht all unsere Sinne – und vergnügt sie auch. Ästhetisch, geistreich und kritisch: Fürwahr ein Kunststück und vom Besten der Theatersaison.
STRANDGUT, Das Kulturmagazin Mai 2010

   

PREMIERE
11. NOVEMBER 2009 9:00, 11:00, 20:00 UHR

NUSSKNACKER UND
MAUSEKÖNIG








Fotos: Sabine Lippert

WEITERE AUFFÜHRUNGEN:


November 2009

Do. 12.11.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr + 20.00 Uhr
Fr. 13.11.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr + 20.00 Uhr
Sa. 14.11.09   15.00 Uhr + 20.00 Uhr
So. 15.11.09   15.00 Uhr
Mo. 23.11.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr
Die. 24.11.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr
Mi. 25.11.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr

DEZEMBER  2009

Do. 17.12.09 9.00 Uhr  + 11.00 Uhr + 20.00 Uhr
Fr. 18.12.09 9.00 Uhr + 11.00 Uhr + 20.00 Uhr
Sa. 19.12.09   15.00 Uhr + 20.00 Uhr
So. 20.12.09   15.00 Uhr
Die. 22.12.09   15.00 Uhr + 20.00 Uhr
Mi. 23.12.09   15.00 Uhr

Vormittagsvorstellungen nur mit Voranmeldung.

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de


Für Kinder gibt es kein besseres Märchen, als ein Märchen für Erwachsene,
ein Kunstmärchen, von E.T.A.Hoffmann : „Nussknacker und Mausekönig“.

Indem das E9N dieses als Partitur für seine gesamtkünstlerische Interpretation aufgreift, will es nicht nur dem Gesamtkünstler E.T.A.Hoffmann gerecht werden, sondern mit der, darin sich provokativ Geltung verschaffenden, Phantasie, das Korsett wohlmeinender `Kindgerechtigkeit´ sprengen.
Mit dieser Intention weiß sich das E9N in bester Gesellschaft mit anderen Autoren und Künstlern der Wirkgeschichte  Hoffmannscher Stoffe.

Nüsse, Nüsse, harte Nüsse
sammelt E.T.A.Hoffmanns „Nussknacker und Mausekönig“ zu hauf...
Auf dem Weg, diese zu knacken und den verwunschenen Nussknacker, alias `junger Drosselmeier´, zu erlösen, begleitet das E9N, mit Tanz, Musik, Gesang, darstellendem Spiel und bildender Kunst, die kleine Marie, durch die Wirklichkeit ihrer Träume, die Traumlosigkeit der Realität sowie ihre liebevolle Phantasie, mit der sie schließlich siegt und dem Erlösten, als seine Braut, in dessen Königreich folgt.

Mit dem Gesamtkünstler E.T.A.Hoffmenn sowie dem Komponisten
Peter I.Tschaikowskij, vertritt das E9N die, durchaus erwachsene, Auffassung, dass dies alles so wirklich geschah und immer wieder geschieht, und dass
„man überall funkelnde Weihnachtswälder, durchsichtige Marzipanschlösser, kurz, die allerherrlichsten, wunderbarsten Dinge erblicken kann, wenn man nur 'die Augen und Ohren darnach hat'.“

REGIE: Wilfried Fiebig

REGIE: Helen Körte (`Das Puppenreich´)

MUSIK: Jens Hunstein

DARSTELLER/INNEN:
Claudio Vilardo
Ruth Klapperich
Verena Specht-Ronique
Jens Böke

Musikalischer Teppich / Bühne / Objekte / Kostüme:
Wilfried Fiebig

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturamt Frankfurt am Main, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main

PRESSESTIMMEN



Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.11.09

Am Limonadenfluss im Puppenreich

Kinder, denkt man, seien der Natur näher als verbildete Erwachsene. Mag sein. Dann aber ist es ihre sehr eigene Natur. Und die ist recht künstlich. Eine Konstruktion. Eine Anderwelt. Ein Feenreich. Eine Spielzeugerde. Ihr Prinzip ist die Traummechanik: Lebloses wird lebendig, Lebendiges erstarrt zu Gegenständlichem, Schönes verwandelt sich in Hässliches und umgekehrt. Die Welt, ein Kunstmärchen. Das Märchen, eine Welt, in der das Künstliche alles andere überlagert. E.T.A. Hoffmann hat die Grenzen zwischen Alltag- und Phantasie in seinen Romanen und Erzählungen verflüssigt, in „Nussknacker und Mausekönig” ist es die Perspektive eines sieben Jahre alten Mädchens, in die er ein phantastisches Geschehen rückt. Das Frankfurter „Ensemble 9. November (E9N)”, geleitet von Helen Körte und Wilfried Fiebig, hat den Text in eine dramatische Fassung gebracht und führt diese im Gallus-Theater „für Menschen von 6 bis 96 Jahren” auf. Als Weihnachtsmärchen für die Kleinen, als gattungsübergreifendes Spiel für alle. Mit, wie bei dieser Truppe üblich, Tanz, Musik, Gesang. Und bildender Kunst.

Es gibt wohl keine Gruppe in der freien Theaterszene Frankfurts, in der sie eine so entscheidende Rolle spielt wie bei diesem Ensemble. Das ist Fiebig zu verdanken, der nicht einfach ein Bühnenbild und Kostüme anfertigt, sondern komplexe bildhauerische Werke und eine spezifische Körperkunst, die sich im Wechselspiel von Formen sowie Materialien mit den menschlichen Bewegungen entfaltet. Das artifizielle Märchen wird auf diese Weise nicht illustriert, auch nicht ausgestattet oder gar ausstaffiert. Vielmehr werden parallel zu ihm künstlerische Artefakte vorgeführt, die auf das Künstliche selbst verweisen, das Ganze auf eine abstrakte Ebene heben, es zugleich jedoch auch mit Licht und metallischem Glanz, mit üppigen Objekten und strenger Geometrie mit Sinnesreizen aufladen. Die Schauspieler agieren in Gestellen, die sie zu künstlichen, also zu Kunstfiguren machen, diese kämpfen mit großen Leuchtstangen, nie kann ein Zweifel bestehen, dass es sich um imaginäre Existenzen handelt, die sich bekriegen. Gleichwohl sind sie so wirklich, dass das Kind Marie am Schluss in das am Limonadenfluss liegende Puppenreich geht. Aus Liebe zum Nussknacker, der eigentlich der heldenhafte, wenngleich nicht allzu groß gewachsene Neffe des Paten Droßelmeier ist. Es gibt eine Vorgeschichte von Mäusen und Menschen, bei der einiges schiefgelaufen ist, was dafür sorgt, dass der Mausekönig die Macht über den Nussknacker hat. Dieser muss den Mausekönig besiegen. Und jemanden finden, der ihm aufrichtig zugetan ist. Weil Marie den Nussknacker so liebgewonnen hat, erhält dieser seine ansehnliche Jünglingsgestalt zurück.

Der Nussknacker aber oder die Prinzessin Pirlipat aus der Vorgeschichte sind ebenso skulpturale Objekte von eigenem Rang wie etwa das Schloss, das der Pate Droßelmeier, auch so eine Kunstfigur, am Heiligabend den Kindern Marie und Fritz schenkt. Es funkelt und glitzert auf der Bühne, dass es eine wahre Freude ist. Jens Böke, Ruth Klapperich, Verena Specht-Ronique und Claudio Vilardo agieren voller Spiellust, Jens Hunstein setzt sparsame musikalische Akzente in einem Klangteppich, den Fiebig geknüpft hat. Alles in allem: ein Stück exakter Phantasie. Michael Hierholzer
   

PREMIERE 12. MÄRZ 2009 – 20:00 UHR.



Fotos: Sabine Lippert

WEITERE AUFFÜHRUNGEN:


Sa. 14. März 2009
So. 15. März 2009

Do. 19. März 2009
Fr. 20. März 2009
Sa. 21. März 2009
So. 22. März 2009

Wiederaufnahme: Do. 7. Mai 2009
Fr. 8. Mai 2009
Sa. 9. Mai 2009


jeweils 20.00 Uhr.

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de

FRAU IM MOND UND ANDERE LIEBHABER

Musiktheater
Die Inszenierung, unter dem Titel "Frau im Mond + andere Liebhaber", entwirft eine gesamtkünstlerische Interpretation von 4 Erzählungen 4 deutschsprachiger Autorinnen, wobei jede der Erzählungen ihren eigenen Auftritt erhält:

  1. "Mondgeschichte" – Ilse Aichinger
  2. "Undine geht" – Ingeborg Bachmann
  3. "Besuch vom Hund" – Karen Duve
  4. "Kluge Else, Katherlieschen" – Christa Reinig
  1. "Mondgeschichte". Unter jazzigen Klängen im Rahmen eines Schönheitswettbewerbs, beginnt die erste Erzählung. In seinem Verlauf entschließt sich die hierzu versammelte illustre Gesellschaft zu einer Reise zum Mond, will man doch dem Anspruch, eine `Miß Universum ´ zu küren, gerecht werden. Dort angelangt, begegnen sie, im Nebel umhüllten Mondgestein, Shakespeares unvergleichlich schöner Orphelia. Erfüllt von der Einsicht, daß keine ihr gleiche, trennen sich die Preisrichter und `Miß Erde´ von der auf dem Mond zurückbleibenden Orphelia. Letztes Bild: Eine aus dem Koma erwachte Miss Erde blickt auf den vorbeiziehenden Mond.
  2. "Undine geht", ein tänzerischer Monolog für 3 Frauen, 3 Stühle und 1 "Hänschen klein...", ein Hans für alle Fälle; aber auch "Hans, der Eine."
    Das Stampfen einer wilden Herde von Pferden geht über in das den Monolog wiederholt begleitende Stampfen der Frauen. "Im Spiegel des Hans" erleidet Undine leidenschaftlich Ausbrüche ihrer Gefühle: Zärtlichkeit, Todessehnsucht, Rache , Bewunde derung, Verachtung in der Form einer Schmährede im "Schmerzton." Ihr Männer "die Ihr Eure Geliebten und Frauen, zu Eintagsfrauen, Wochenendfrauen, Lebenslangfrauen macht." Der Eine fährt mit ihr Riesenrad, der Andere teil Wirtschaftsgeld ein.
  3. "Besuch vom Hund" ist eine Ode an das Tiersein im Menschen, an den Wolf im Hund. Mit seinem unerwarteten Besuch bei der Dichterin bricht der Hund in den wohlgeordneten Kreis einer kleinen Partygesellschaft ein, fordert sie mit unerwarteten Kommentaren heraus, entlarvt sie und bestimmt zunehmend den Verlauf der Dinge.
    Dabei treffen aufeinander: Ein `Blues Brother-Pärchen, mit weiblichem Anhang, eine Dichterin, ein Hund, der `Biß zeigt ´, über das `Hundsein´ philosophiert; und da ist dann immer noch "Billy the Kid..." Karen Duve zelebriert hier englisches Understatement, `Anglo-Saxon´ Humor, irgendwo zwischen Chaplin und Woody Allen.
  4. "Kluge Else, Gänsemagd als Bremer Stadtmusikanten". Die Erzählung vereint Frauenfiguren aus einigen Märchen der Gebrüder Grimm zu einem gemeinsamen Vorhaben: Der Gründung einer Beatband, den "Bremer Stadtmusikanten".
    Hierzu verlassen sie das häusliche Allerlei, ihnen zugedachter Frauenrollen, und begeben sich zielstrebig nach Bremen, dem Bestimmungsort ihrer Autonomie. Doch so einfach geht das nicht. Im Mondbeleuchteten Wald stoßen sie auf eine Trainingseinheit der Armee; Drill, Kampfschreie und immer wieder Liegestützen, Liegestützen, Liegestützen....
Die 4 Inszenierungen verknüpfen , zum reicheren Verständnis der Dramaturgie deren choreographiertes Spiel mit eigens hierfür komponierter und live vorgetragener Musik (Instrumental und Gesang), einer schillernden dynamischen Bühne, prächtigen Kostümen, Projektionen Neuer Medien und einem fein ausgetüftelten Lichtdesign.

KONZEPTION, DRAMATURGIE, REGIE: Helen Körte
KOMPOSITION, MUSIKAL. LEITUNG: Martin Lejeune
SCHAUSPIELER/INNEN: Katryn Schyns, Margie King, Verena Specht-Ronique, Willi Forwick, Claudio Villardo, Fernando Fernandez, Thomas Ulrich.
MUSIKER: Martin Lejeune, Jens Hunstein, Peter Kölsch
BÜHNE, OBJEKTE: Wilfried Fiebig
KOSTÜME: Margarete Berghoff
FILME: Sebastian Schnabel, Tanja Herzen (HFG)
PROJEKTION: Jörg Langhorst, Wilfried Fiebig
LICHTDESIGN: Oliver Heyde
FOTOGRAPHIE: Sabine Lippert

PRESSESTIMMEN



Frankfurter Allgemeine Zeitung 14.03.2009
MAN TRÄGT JETZT GIEßKANNE
Helen Körtes skurrile " Frau im Mond " im Gallus-Theater
Hans Riebsamen


Wer ist die Schönste im ganzen Land? Drei Grazien erheben im Gallus-Theater darauf Anspruch, drei liebreizende Damen in bauschigen Kleidern und mit extravaganter Kopfbedeckung. Frau trägt in dieser Saison Gießkanne auf dem hübschen Köpfchen — hat Modeschöpferin Helen Körte festgelegt, um flugs Maßschneider Wilfried Fiebig ins Atelier zu schicken. Doch die Schönste ist nicht hier auf Erden unter den Geishas der Teezeremonie zu finden, die Schönste, Ophelia, schaut vom Mond auf uns herab. Und so hat Regisseurin Körte ihrem neuen Theaterstück nach Ilse Aichingers Text "Mondgeschichte" den Titel "Frau im Mond" gegeben, mit dem Zusatz "und andere Liebhaber". Um Liebe und Liebhaber geht es in allen vier Stücken des Stücks. Körte hat vier Texte von Schriftstellerinnen, neben Aichinger Ingeborg Bachmann, Karen Duve und Christa Reinig, als Vorlage genommen und aus jedem einzelnen einen je eigenen Minireigen von Szenen gemacht. Daraus ist kein hochgestochenes Literaturtheater geworden geworden, vielmehr ein freches Gesamtkunstwerk aus Schauspielerei, Tanz, Musik, Film und Objekten der bildenden Kunst. Letztere hat wie immer der Mann im Zweierteam des "Ensemble 9. November", der Künstler Fiebig geschaffen.

Wer kann schon von sich behaupten, einen eigenen Theaterstil entwickelt zu haben ? Körte darf es, das Kunststück ist ihr im Laufe der Jahre gelungen. und dies mit ganz geringen finanziellen Mitteln der städtischen "institutionellen Förderung", aber mit umso mehr Phantasie. Dieses Mal sogar besonders gut.

"Frau im Mond" ist Farce, skurrile Komödie, schwarzes Theater, Comedy, Slapstick - aber nie Klamotte. Die rechte Mischung gegen den Trübsinn in diesen Zeiten. Hier werden mit Farbe und Tönen Verrücktheiten der Liebessehnsüchte ironisiert. Aus Bachmann Traum- und Schmerzensmann Hans, dem die Schriftstellerin mit allen Gefühlsempfindungen von Zärtlichkeit bis Verachtung begegnet, wird das "Hänschen klein" , getrillert und gesungen in drei Versionen; aus Karen Duves Hunde-Besucher ein magerer Wolf mit philosophischer Ader und außerdem ein bezaubernd hundischer Zwei-Minuten-Film von der Studentin Tanja Herzen; aus Christa Reinigs kluger Else, ihrem Katerlieschen und der Gänsemagd eine Emanzen- Rockband- während ihre potentiellen Liebhaber, drei Soldaten, zum Kampfruf "Jesus, meine Zuversicht, Erdbeertorte gibt es nicht " Liegestütze üben. Nicht zu vergessen die Musik von Martin Lejeune, sie ist wie cremige Sahne über dem nicht vorhandenen Erdbeerkuchen.


Frauen, Pferde und Gießkannen
Frankfurter Rundschau
Stefan Michalzik


Sein oder Nichtsein, das ist hier die Hundefrage. Ein solcher Satz, er stammt aus Karen Duves Erzählung "Besuch vom Hund", ist in seiner einen Fantasieraum öffnenden Dimension wie geschrieben für Helen Körte, Gründerin und Regisseurin des Frankfurter Ensembles 9. November. Körte, die ihre Stoffe seit jeher, lange bevor es auf dem Theater zur Zeiterscheinung geworden ist, aus literarischen Vorlagen bezieht, bringt in ihrer neuen, am Gallus-Theater herausgekommenen Arbeit "Frau im Mond und andere Liebhaber" Erzählungen deutschsprachiger Autorinnen zusammen, die von den Verhältnissen zwischen Männern und Frauen handeln.

In "Undine geht" aus Ingeborg Bachmanns 1961 erschienenem ersten Prosaband "Das dreißigste Jahr" scheint Elfriede Jelinek schon vorweggenommen. Im Angesicht des Suizids wird Klage geführt gegen die "Ungeheuer mit Namen Hans", eine Phalanx von "Monstren", die im Gestus schnöder Selbstverständlichkeit Frauen funktionalisieren. Filmbilder von Wildpferden, Metapher für Freiheit, eröffnen die Szene, derweil das Stampfen der drei Darstellerinnen von eng gezogenen Grenzen zeugt. Auch von denen emotionalen Verfangenseins.

Begonnen hat der Abend mit der "Mondgeschichte" Ilse Aichingers, die eine Misswahl bis ins Universum ausgreifen lässt. Auf dem Mond, in einer Begegnung mit Shakespeares Ophelia, findet die Schönheitskönigin ihre Meisterin. Eine Trias mit Gießkannen gekrönter Prinzessinnen tritt auf, unter Klängen des glorios agil musizierenden Jazztrios um den Gitarristen Martin Lejeune.

Am Ende, in "Kluge Else, Katherlieschen und Gänsemagd" von Christa Reinig, treffen drei Frauen aus den Grimmschen Märchen, die den Unbilden des gesellschaftlich zugeschriebenen Frauseins entkommen wollen, auf einen soldatischen Dreiertrupp: Ein Offizier schleift zwei Rekruten. Ein grotesk überzeichnetes Bild von Männlichkeit.

Ist es ein Abend, geschöpft aus dem Geiste feministischer Weltsicht? Kann man so sehen. Doch egal, welche im Kern auch noch so "harten" Themen sich Helen Körte anverwandelt, am Ende steht immer ein Theatermärchen von schierer Freundlichkeit. Das Theater, ein Fest. Ein revuehaftes Spektakel. Mit wild wuchernden, gleichwohl in ihrer Handschrift wohlbekannten Fantastereien und mit kongenialen Objekten von Wilfried Fiebig. Eine Welt der schönen, sich selbst genügenden Bilder. Sein oder Nichtsein, das ist hier die Hundefrage.


Frankfurter neue Presse, 14.03.2009
Die Erde will Miss Universum sein


Helen Körte vom «Ensemble 9. November» inszenierte im Gallus-Theater Frankfurt «Frau im Mond und andere Liebhaber».

Eben meint man noch, dass sich das von Martin Lejeune und Mini-Band begleitete Stück Musiktheater, ein intarsienhaftes Gesamtkleinkunstwerk aus intelligenten Bildeinfällen (Bühne, Objekte: Wilfried Fiebig) und kauzig-kaleidoskopischen Elementen, die ihre Figuren in lyrischen Teil-Plots, Tanz, Gesang und Dialogen mehr malen als plastisch machen, ein wenig hinzieht. Aber, oh Wunder, da ist «Frau im Mond» schon zu Ende – hat statt geschätzter 50 Minuten fast zwei Stunden gedauert. Kurzweil-Theater als subjektive Zeitmaschine: eine Vorstellung, die sich mit Körtes surreal-absurd-abstrakter Bühnenwelt gut vereinbart.

Was passiert? Miss Erde möchte auch Miss Universum sein und reist zur Kür auf den Mond, wo sie die ungleich schönere Ophelia vorfindet: Alles nur ein Traum (Ilse Aichinger, «Mondgeschichte»)? Undine, Wasserwesen wie Ophelia und Ur-Frau, leidet unter der Missachtung ihres Ur-Mannes Hans alias Hänschen klein (Ingeborg Bachmann: «Undine»). Ein Hund bricht in die Party der Dichterin ein und stellt die Ordnung der Dinge auf den Kopf (Karen Duve: «Besuch vom Hund»). Viertens Christa Reinigs «Kluge Else, Katerlieschen und Gänsemagd als Bremer Stadtmusikanten»: Frauen aller Märchen, vereinigt euch – streift eure Frauenrollen ab, lasst die Machos zurück und sucht die Freiheit! Als Feministin fiel Helen Körte bislang nicht auf. Diesmal taucht sie gezielt ins Erzählen von Vorzeige-Autorinnen ein, konzentriert sich auf weibliche Figuren und ihre weiblichen Welt-Geschichten. Identifiziert sie die Undines in Bild 2 mit einer rasenden Herde Wildpferde oder stellt sie ihre Frauen auf den Catwalk, fällt freilich auf, dass das Feministische unaggressiv bleibt. Die Assoziationen gehen eher zur Pferdeliebe pubertierender Mädchen, die sie auf Männerliebe vorbereitet, als zum Kastrationsmesser. Männer werden von außen gesehen, doch schwingt in Körtes Blick auf deren kleine Lächerlichkeiten ein ironisch-sympathisierender Grundton mit. Ein hübsches Spiel, das gerade auch musikalisch gefällt.dek
 

PREMIERE
12. November 2008

Weitere Aufführungen
Do. 13. Nov. 20.00 Uhr
Fr. 14. Nov. 20.00 Uhr
Sa. 15. Nov. 20.00 Uhr
So. 16. Nov. 20.00 Uhr

Schülervorstellungen:
Do. 13. Nov. 11.00 Uhr
Mo. 17. Nov. 11.00 Uhr
(Nur mit Voranmeldung)

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de



Fotos: Sabine Lippert

"Szenen eines Kulturvolkes",
über das Frauenorchester im Konzentrationslager Auschwitz. Ein `Szenisches Oratorium für 8 Frauen, 1 Orchester und 1 Mezzosopran.



Am 9. November 1988 brachte das E9N , anläßlich der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Reichskristallnacht , mit 20 Mitwirkenden seine erste Produktion in Frankfurt/M zur Aufführung. Dieses `Szenische Oratorium´ wurde, nach seiner Premiere, wiederholt in Frankfurt!M , sowie in weiteren Städten Deutschlands (u.A. Dresden, Leipzig, München, Herne, Freiburg) aufgeführt.

Hervorzuheben ist dabei die Aufführung 1989 in Dresden, direkt nach dem Fall der Mauer. Eingeladen, hierzu, wurde das E9N von der `Heinrich Böll - Stiftung´ und begleitet vom ZDF, das sowohl in `ASPEKTE ´als auch in in einem intensiven und umfangreichen Beitrag in 3SAT , über die Aufführung sowie die anschließende leidenschaftlichen Diskussion mit dem vorwiegend jungen Publikum, berichtete.

In Anbetracht der Tatsache, daß "Holocaust" keinen Einzelfall aus der Vergangenheit bezeichnet, vielmehr, wegen seiner Aktualität, immer wieder ins öffentliche Bewußtsein gebracht werden muß, hat sich das E9N entschlossen, anläßlich seines 20 jährigen Bestehens, dieses `Szenische Oratorium´, erneut aufzuführen. Bei dieser 5. Neubesetzung (in 10 Jahren), hat das E9N, auch aus thematischen Gründen, einen besonderen Wert auf eine Zusammenarbeit von professionellen Schauspielerinnen mit Schülerinnen gelegt.

Die Dramatisierung, eine szenische Collage, verfolgt nicht das Ziel, einzelne Schicksale oder Charaktere hervorzuheben. Vielmehr wird das Konzentrationslager als organisatorische Kulturleistung vorgeführt. Zugleich soll, nach Art eines Modells, gezeigt werden, wie Frauen heute sich mit dem Schicksal der damaligen Opfer auseinandersetzen. Sie nähern sich den Opfern, rufen ihre Situation, in Text und einer strengen Choreographie, wach, ohne naturalistische Nachbildung einer Geschichte, die nicht nachahmbar ist. Deshalb findet man hier keine Sträflingskleider, kein gespieltes Elend, keine stiefelstampfende SS. Die Präsens der Täter wird einzig und allein durch die Frauen hergestellt.

Den 8 Frauen gegenüber, so wie diese, ebenfalls auf einem eigenen Podest, spielen ein "Philharmonisches Orchester" sowie eine Sängerin (Mezzosopran) Stücke jener Musik, die das Frauenorchester auf Befehl der SS zu spielen hatte, Stücke aus Klassik, Märsche, Wiener Walzer, Operetten. `Frauen mit einem klaren hohen C dürfen noch einmal überleben, die anderen kommen gleich ins Gas.´

E9N – 20 Jahre
"Ensemble 9. November"

Nach nahezu 30 Uraufführungen in FFM zwischen 1988 und 2008, sowie zahlreichen Gastspielen im In- und Ausland, von Athen bis Moskau, von Krakau bis Sibiu (Hermannstadt) von Jaroslawl bis Posen, von Leipzig, Dresden nach Freiburg und München usw., zeigen wir, das E9N ("Ensemble 9. November"), nun, in Wiederaufnahme, unsere erste Produktion vom 9.November 1988. Diese war und ist bis heute Anlaß für die Namensgebung unseres Theaterensembles.

Es sind die "Szenen eines Kulturvolkes"


DRAMATURGIE UND REGIE: Helen Körte

MUSIKALISCHE LEITUNG: Armin Rothermel

MEZZOSOPRAN: MONICA RIES

BÜHNE: Wilfried Fiebig

SCHAUSPIELERINNEN Ingrid el Sigai | Uta Nawrath | Suzanne Schyns | Raija Siikavirta | Hanna Linde | Martina Römert | Eva Eisenberg | Ilona Molnar

MUSIKER A. Rothermel | L. Aleksandrovic | R. Orthmann | L. Lohwasser | A. Ahrens | H. Mathiesen | S. Taibi | H. Molge | R. Cannas | G. Spitz

Mit freundlicher Unterstützung: Kulturamt Frankfurt am Main, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Jugend- und Sozialamt Frankfurt am Main.

PRESSESTIMMEN



14.11.2008 - Offenbacher Post
Eindrücklichkeit entsteht ihm Kopf

Das Ensemble 9. November um die Regisseurin Helen Körte und den Szenenbildner Wilfried Fiebig hat in den zwanzig Jahren seines Bestehens eine Bühnensprache entwickelt, deren überbordende Fülle unverkennbar ist. Viele der beinahe dreißig revueartigen Szenenfolgen aus Musik, Tanz und skulpturalen Elementen gehen auf literarische Vorlagen zurück.

„Szenen eines Kulturvolkes“ aus dem Jahre 1988, das zum Jubiläum im Gallus-Theater aufgeführt wird, lässt den die Sparten übergreifenden Ansatz bereits erkennen. Die Schlichtheit der Bilder aber, geschöpft aus einer ungewöhnlichen Formstrenge, erscheint wie zwingend aus dem Motiv heraus entwickelt. Entstanden zum 50. Jahrestag der als „Reichskristallnacht“ in die Geschichte eingegangenen Judenpogrome vom 9. November 1938 handelt das Stück vom Schicksal des Frauenorchesters von Auschwitz. Inmitten des organisierten Massenmordens hatte es auf Geheiß der Lagerleitung täglich einmal für die Gefangenen aufzuspielen, ein weiteres Mal zur Erbauung der SS-Leute. Das Repertoire reichte von Operettenschlagern und Walzern bis zu Werken der Klassik.

Ein schwarzes Podium inmitten des dunklen Raums. Auf einem weiteren Podest ist ein kleines Orchester untergebracht. Mehr braucht es nicht als Umfeld für den Auftritt von acht Frauen in schwarzen Kleidern. Schauspielerinnen und Schülerinnen sind es, ein Gefälle unter ihnen wird indes nicht offenbar. Immer wieder ist es der Zirkel, in dem diese Frauen sich bewegen. Angetrieben von einer Dirigentin, die unter der ständigen Bedrohung eine strenge Zucht walten lässt. Collagiert aus dem Roman „Das Mädchenorchester von Auschwitz“ von Fania Fenelon und aus historischen Quellen wird protokollhaft ein Stück Lagerrealität gespiegelt – aber nicht dargestellt.

Es sind die Leerstellen, die den Kern ausmachen. Darin liegt ihre Stärke. Die Eindrücklichkeit entsteht in der Vorstellung der Zuschauer. Auch zwanzig Jahre nach seiner Entstehung hat dieser Abend nicht im mindesten Staub angesetzt. (zik)

17.11.2008 - Frankfurter Rundschau
Das Geräusch harter Sohlen

Jamal Tuschick

„Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends/wir trinken sie mittags und morgens/wir trinken sie nachts“. Celans „Todesfuge“ spielt zu allem, was ich im Frankfurter Gallus Theater gerade sehe. Schön ist die Inszenierung von Helen Körte, schrecklich der historische Schlick, der das – von Wilfried Fiebig eingerichtete – Bühnengeschehen grundiert.

Zuerst vernimmt man nichts außer dem Geräusch harter Sohlen: eine Marschmelodie unter den Bedingungen totaler Verdunklung. In der zunehmenden Aufhellung lässt sich ein weibliches Ensemble mit Schlagwörtern vernehmen. So lautet eine Mantra des Zwangs: „Schuhe, Kopftuch, Kleid, Stern“. Nummern markieren rechtlose Wesen und weisen auf die Effizienz der reichsdeutschen Vernichtungsindustrie in ihrer Hochzeit hin. Wie um der Sache einen perversen Pfiff zu geben, oder vielleicht auch nur, um das Leben einmal noch bei seinen Namen anzurufen, folgt Klatsch den Versachlichkeitsmeldungen im Maschinenhades. In der Diskussion ist auch die französische Mode um das Jahr 1943, als in Auschwitz die Gründung eines Frauenorchesters befohlen wurde.

Die vom Ensemble 9. November zu seinem 20-jährigen Bestehen wieder aufgeführten, sich nicht zuletzt auf ein Buch von Fania Fénelon beziehenden „Szenen eines Kulturvolks“ entsprechen der Entindividualisierung der KZ-Häftlinge, indem sie kaum Biografisches mitteilen. Allein Alma Rosé erscheint als Orchesterchefin, herb verkörpert von Hanna Linde. Der Wille zur Perfektion dieser Gustav-Mahler-Nichte schreit nach unerlaubten Kommentierungen. Ich werde mich hüten, bei mir etwas zu vermuten, das auch nur in die Nähe des Begreifens „der musikalischen Zwangsarbeit“ (Gabriele Knapp) liegen könnte.

Die Musikerinnen werden von Ingrid el Sigai, Susanne Schyns, Raija Siikavirta, Linde, Uta Nawrath, Eva Eisenberg, Ilona Molnar und Martina Römert dargestellt. Mal schwärmen sie in Appellformation von einem gutaussehenden Arzt, mal krümmen sie sich, wie über ihr Schicksal. Ihren größten Feind, den doppelt promovierten Mengele, nennen sie „Selektionsästhet“. Sie haben schon weiter gespielt, während Frauen von Hunden der SS zerrissen wurden.

Die orchestrale Leistung erbringen gesondert platzierte Herren unter Armin Rothermels Leitung. Es singt zudem, ganz wunderbar, Monica Ries, so aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ „Lippen schweigen, ’s flüstern Geigen flüstern / Hab mich lieb!“ Da liegt der Hase im Pfeffer dieser verpflichtend sehenswerten Deutung der „Kulturleistung“ Auschwitz: zwischen Sentimentalität und Sadismus.

13. November 2008 - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bilder von der Rückseite des Mondes

Hans Riebsamen

Kann Puccini Leben retten? Ja. Die Arien des italienischen Komponisten haben die Mitglieder des Frauenorchesters von Auschwitz vor der Vernichtung durch Arbeit und vor der Gaskammer bewahrt. Kann man Puccini noch unbefangen hören? Nein. Nicht, nachdem man das Theaterstück „Szenen eines Kulturvolkes“ vom Frankfurter „Ensemble 9. November“ gesehen hat. Denn die SS liebte Puccinis Musik. Auch Melodien von Mendelssohn-Bartholdy – die Wachmannschaften merkten nicht, dass das Judenmusik war.

Oder Strauß-Walzer, Hits aus Lehárs „Lustiger Witwe“, Schlager wie „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“. Die SS-Mörder ließen sich von diesen Melodien aufheitern. So, wie Hitler sich von der Musik Richards Wagners erbauen und mitreißen ließ. Wagner ist deshalb vielen verdächtig – obwohl er doch nichts dafür kann, dass Hitler seine Opern gründlich missverstanden hat. Eigentlich müsste nach den Erfahrungen von Auschwitz diesen Leuten auch Puccini verdächtig sein. Oder Schumann und Johann Strauß.

Vor 20 Jahren hat Helen Körte „Szenen eines Kulturvolkes“ uraufgeführt – als ihren Beitrag zu den Gedenkveranstaltungen zum 9. November 1938. Ihr Theaterensemble, das sie zusammen mit Wilfried Fiebig seit 20 Jahren leitet, hat sie nach jenem Datum „Ensemble 9. November“ genannt. Jetzt, im Jubiläumsjahr, hat Körte das Stück wieder auf die Bühne gebracht, im Gallus-Theater. Sie nennt es ein Szenisches Oratorium für acht Frauen, eine Sängerin und ein Orchester. Die acht Frauen sind in dieser Inszenierung keine Individuen, sie verschmelzen vielmehr zu einer anonymen Gruppe, deren Mitglieder wie die Auschwitzhäftlinge keine Namen mehr besitzen, sondern nur noch Nummer sind. Häftlingsnummer. Am Anfang stellen sie sich auf der quadratischen schwarzen Bühne in der Mitte des Theaterraums als Nummern vor, nur in diesem Augenblick, da sie in träumerischer Erinnerung an ihr Leben zuvor von Männern und Mode sprechen, gewinnen sie gewisse individuelle Züge.

Nicht das Frauenorchester von Auschwitz spielt bei diesem Stück jene Musik, die die Mädchen damals ihren Henkern vorspielen mussten. Ein zehnköpfiges Orchester unter Armin Rothermel intoniert die Melodien von Puccini oder Strauß. Und die fabelhafte Monica Ries tanzt mit ihrem Gesang in den siebten Himmel oder erträumt ihn sich wie Puccinis „Madame Butterfly“.

Das Stück ist aufgebaut wie eine Komposition für Sprache und Bewegung, die acht Schauspielerinnen kommentieren die Geschehnisse im Lager wie ein antiker Chor. Gerade diese emotionale Distanzierung lässt den Zuschauer die grausame Dramatik besser verstehen als eine einfühlend-realistische Darstellung es leisten könnte. „Szenen eines Kulturvolkes“ war die erste Arbeit Körtes in Frankfurt – und eine ihrer besten. Kann solches Theater einen neuen Holocaust verhindern? Nein. Wie sollte Theater so etwas können. Aber es kann uns in diesem Stück eine Ahnung geben von der grauenhaften Welt der Lager, die unser Blick nur wahrnehmen kann wie die Rückseite des Mondes – über Medien.

14.11.2008 - Neue Presse
Das Böse in der Hochkultur

Marcus Hladek

Das «Ensemble 9. November» beging mit «Szenen eines Kulturvolkes» im Gallus-Theater Frankfurt sein 20-jähriges Bestehen.

Wie banal das Böse sein kann, weiß man seit Hannah Arendts Bericht über den Organisator des Judenmords: «Eichmann in Jerusalem». Dass Unmenschlichkeit mitunter hochkultiviert auftritt, lehrten die Passagen Curzio Malapartes über Hans Frank, den Generalgouverneur im besetzten Polen und exzellenten Pianisten, in «Kaputt». Eine einmalige Kombination des banalen Bösen in Hochkultur fand beides, als die Nazi-Granden die perverse Idee hatten, im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein hochklassiges Frauenorchester einzurichten. Von diesen Insassinnen, die um ihr Leben spielten und den Hass der übrigen Häftlinge auf sich zogen, handeln Helen Körtes «Szenen», die bei der Premiere und erneut 1989 in Dresden nach dem Mauerfall viele Bewunderer fanden und jetzt im Gallus-Theater wiederaufgenommen wurden.

Die Inszenierung erinnert in ihrem dokumentarischen Ansatz, zudem in ihrer strengen Handhabung von Sprache und Bewegung, deren sich acht Frauen in Zeitmode auf einem quadratischen Podest zwischen den Zuschauern befleißigen, an Peter Weiss’ Prozess-Stück «Die Ermittlung» sowie die Chöre und Einzelvers-Dialoge des altgriechischen Tragikers Aischylos. Ihre emotionale und erkenntnismotivierte Intensität ähnelt George Taboris «Jubiläum», einem quasi-kultischen Stück toter Juden als Kommunion mit den Lebenden auf ihrem Friedhof.

Ein Wunder, dass die klassische Musik, hier wunderbar dargeboten von Monica Ries (Mezzosopran) und einem Kammerorchester unter Armin Rothermel, ihren perversen Missbrauch, die systematische Befleckung durch SS-Schergen überhaupt überlebt hat.

 

AUSSTELLUNG
Dr. Wilfried Fiebig

24.11.2008 bis 9.01.2009 Mo.–Fr. 10.00–16.00 Uhr



Foto: Sabine Lippert

THEATER+KUNST
KUNST+THEATER


Kunstoffensive Goethestraße 10

60313 Frankfurt am Main

TEL +49 (0)69 21 08 73-111
FAX +49 (0)69 21 08 73-299


www.ch-ag.de
www.company-hotel.de

 

Premiere: 29. Mai 2008


Weitere Aufführungen:
Fr. 30. Mai 2008
Sa. 31. Mai 2008
So. 01. Juni 2008
Do. 21. August 2008
Fr. 22. August 2008
Sa. 23. August 2008
So. 24. August 2008
Mi. 27. August 2008


Goethes Geburtstag, Derniere
Do. 28. August 2008


jeweils 20:00 Uhr



Fotos: Sabine Lippert

Aus dem Leben einer Farbe

Musiktheater, verweht von den 4 Farbwinden eines Saxophonquartetts (Uraufführung)



"Aus dem Leben einer Farbe" ist eine Farberzählung, ein Farbspiel unterwegs mit Klangfarben, eine Erlebnisreise der Farbe, von `schöner Kunst´zu `schöner Kunst´, wobei es nicht wenig zu denken gibt. Denn Farbe sagt kein Wort, sie zeigt sich nur. Aber `was´sich da zeigt, muß sich doch sagen lassen, hat doch einen Namen. Aber wenn nun Farbe kein `Was´ ist ? Was ist dann ? Es zeigt sich, daß der Schein seine `Leichtigkeit verliert, sobald man über ihn nachdenkt. Das E9N hat nachgedacht. Weil es aber nicht will, daß uns `hören´ und `sehen´ dabei verloren gehen, spielt es in einem Gesamtkunstwerk Schein und Scheinloses ineinander; läßt Farbe `leben´, macht sie erlebbar in Farben, komponierten Klängen, choreographierten Handlungen ,nahegelegten Gedanken , erinnerten Erlebnissen, Erzählungen, und nicht zuletzt in den Mehrdeutigkeiten von Sprache selbst. Aber, wie gesagt: Farbe spricht nicht, sie zeigt sich nur; so vermag sie weder die Wahrheit zu sagen noch zu lügen. Und was wird über sie gesagt ? Es wird erzählt , daß dort, wo Farbe als Regenbogen die Erde berührt, ein großer Schatz vergraben liegt. Doch Farbe ist haltlos wie das Lachen. Kein Wunder daher, daß bislang noch niemand den Schatz gefunden hat, daß Philosophie und Wissenschaft, anders als die Maler und Dichter, sich für Farbe nur wenig erwärmen können, ist sie doch unzuverlässig, ein `Aposteriori´. Auf ihr, wie auf einer Bananenschale, rutscht aus, wer, wie Charlie Chaplin, oder Goethe, unbeirrt und geradeaus ein klares, z.B. wissenschaftliches, Farbziel verfolgt. Immerhin ein `slapstick´. Denn Farbe sagt kein Wort, sie zeigt sich nur.


REGIE, DRAMATURGIE
Wilfried Fiebig

KOMPOSITION UND MUSIKALISCHE LEITUNG
Bastian Fiebig

VARIETESPIEL (REGIE)
Helen Körte

SCHAUSPIELER/INNEN
Raija Siikavirta, Christian Lehmann-Carrasco

MUSIKER/INNEN „VIERFARBEN-SAXOPHON“
Jürgen Faas (Bariton), Bastian Fiebig (Alt), Susanne Riedl (Tenor), Stefan Weilmünster (Sopran)

SPECIAL GUEST
Max Dreier (Violine)

GESANG
Gabrielle Zimmermann (Mezzosopran)

BÜHNE/OBJEKTE/KOSTÜME
Wilfried Fiebig


Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts Frankfurt am Main

PRESSESTIMMEN



Farbensehen
Das Ensemble 9. November im Gallus-Theater Bunt geht es zu in Fiebigs Welt..Bunt, wenn man Schwarz und Weiß auch zu den originären Bewohnern der farbigen Welt zählt . Die Spektralfarben aus dem Weiß und viele ihrer Hybridfarben geisterten als fröhliche Gespenster schon immer im Kopf dieses Künstlers herum, jetzt hat er sie losgelassen, jetzt spuken sie unbändig auf der Bühne des kleinen Theaters herum. Folgerichtig heißt das von Fiebigs "Ensemble 9. November " gegebene Stück "Aus dem Leben einer Farbe". Farbig sind die Kostüme der beiden Schauspieler Raija Siikavirta und Christian Lehmann-Carrasco, die manchmal wie Kobolde durchs Theater tanzen. Bunt wie Pfauenschwänze sind die Installationen, in die Fiebig wie immer all seinen Ehrgeiz gelegt hat. Schillernd in allen Lichtschattierungen sind die Gedichte und poetischen Sätze, welche die Schauspieler von sich geben. In ihrer Summe fügen sie sich zu einer handlungslosen, poetisch-fragilen Komposition, die von vier Farbwinden eines Saxophonquartetts immer wieder verweht wird.

Bastian Fiebig hat eine hinreißende Musik komponiert, sein Altsaxophon harmoniert großartig mit den Saxophonen von Jürgen Faas (Bariton), Susanne Riedl (Tenor) und Stefan Weilmünster (Sopran). Dazu umgarnt Gabrielle Zimmermann mit ihrer Betörenden Mezzosopran-Stimme das Hörzentrum in den Gehirnen der Zuschauer. "Aus dem Leben einer Farbe" würde wohl auch als reine Konzertveranstaltung funktionieren, Jetzt ist eine musikalische Performance daraus geworden. Zirzensischer Schwung kommt schließlich im letzten Drittel in das Stück, man merkt. daß hier Helen Körte die Regie in die Hand genommen hat. Auf einmal spürt der Zuschauer die Leichtigkeit und den Witz des Varietes, Farben können sprechen, aber sie können keine Worte sagen. Das ist das Manko dieses Theaterstücks, das ein kleines Gesamtkunstwerk darstellt, weil es bildende Kunst, Tanz, Musik, Sprechen und darstellendes Spiel zusammenfügt. Fiebig läßt viel sagen, doch am besten sprechen die Klangfarben der Saxophone, die skurrilen Formen der Kostüme und Utensilien - und die Farben, weil sie sich einfach nur zeigen.
HANS RIEBSAMEN (Frankfurter Allgemein- same Zeitung, 4.6.08 )

Ein Rot ist ein Rot ist ein Rot
Das Ensemble 9. November erzählt unter Anderem " Aus dem Leben einer Farbe " Es gibt keinen Anlaß, die Kindheit zu glorifizieren. Das Verschwinden des Wasserfarbkastens aber aus dem Arsenal der täglichen Umgebung spricht nicht für das Erwachsendasein.
Die Erinnerung daran kehrt nun zurück - und womöglich mehr noch die Erinnerung daran, wie weit das entrückt ist - in der neuen Produktion des Ensemble 9. November im Frankfurter Gallus-Theater. "Aus dem Leben einer Farbe" läßt in einer von tausend possierlichen Szenen auch einen Malkasten zu Worte kommen. Rote Rosen kann man mit ihm malen, aber dann soll das Rot die Liebe sein, und die Liebe ein Duft. Und während alles etwas anderes wird, als es eigentlich ist, gerät der Malkasten. in dem die Farben einfach Farben sind, in Vergessenheit. Ein melancholisch stimmendes Resultat.
Etwas ulkig ist, daß gleichzeitig auch "Aus dem Leben einer Farbe" ständig darüber nachdenken läßt, um was es hier geht und was das zu bedeuten hat. Dabei wollen Wilfried Fiebig (Regie, Ausstattung), Helen Körte (die entzückenden Variete-Szenen im hinteren Teil) und Bastian Fiebig (Musik) vielleicht lediglich, daß man sieht und hört, was hier zu sehen und zu hören ist : Raija Siikarvita als Kobold und Christian Lehmann-Carrasco als Data. Sie ist ein mehrstöckige Torte, ein nach Liebe sich sehnender Frosch. Er bleibt auch eingerüstet bis dorthinaus höchst beweglich. Sie tänzeln friedfertig und umzäunen die Zuschauertribüne mit einem Regenbogenband. Sie wollen gleich mit Riesenringen jonglieren. Sie sehen aus wie ein Mann. Sie reden ohne Unterlaß, wie aus Büchern, aus der Erinnerung und aus der Lamäng. Physiker und Lyriker Dazu: Wilfried Fiebigs Kostüme und Objekte, die erneut durch ihre offensive Nutzlosigkeit becircen. Sie werden hereingerollt, an die Decke gehängt, arrangiert, modifiziert, als könnte es garnicht anders sein. Dabei ist es verrückt und rätselhaft. Eine Sopranistin (Gabrielle Zimmermann), ein jugendlicher Geiger (Max Dreier) und ein Saxophonquartett, die uns traurig machen können, aber auch mit Jahrmarktsgenudel wieder froh. Hier und da fällt ein bitterer Satz, den man gleich unterschreiben möchte: Daß Physiker so viel gelten und Lyriker so wenig, zum Beispiel.
Von JUDITH VON STERNBURG ( Frankfurter Rundschau 2.6.08)

Daß man sich der Produktion besser genußvoll (auch mit den Augen), ohne nach einem roten Faden zu suchen. Der nämlich wird vom äolischen Windgott in die vier Himmelsrichtungen des Saxophons verweht (Tenor: Susanne Riedl, Alt: der Komponist, Bastian Fiebig, Bariton: Jürgen Faas, Sopran: Stefan Weilmünster). Zum Genuß tragen noch Gabrielle Zimmermanns schöner Mezzosopran und Max Dreiers Violine bei, nur helfen sie der windzerzausten Erzählform so wenig auf wie die quecksilbrige Darstellung der sprunghaften Szenen oder Wilfried Fiebigs geistvoller Umgang mit Kostüm und Bühnenbild. Aber da ist noch der ästhetische Genuß am Moment. Zur Hölle mit der Dtruktur ? Farbe erzählt eben nicht in der Zeit ("diachron"). sie ist mit einem Male da ("synchron"). Mit Musik sieht es freilich anders aus, mit Theater sowieso. Im Saal legen Raija Siikavirta im roten Kleid mit lila Schleifchen hinten und Spiegeln vorn sowie Christian Lehmann- Carrasco in einem schwarzen Turmgestänge wie antike Kriegsmaschinen wacker los mit einem Spiel über Goya und die Schlachtentoten. Das ist ungefähr das Letzte, was man begreift. Irgendwann ist noch von Newtons Prisma die Rede und von Noahs Sintflut. Sehr philosophisch das Ganze, mit festem Blick auf den Menschen in der Geschichte, schillernd-bunt und sprunghaft. Aber wozu ? MARCUS HLADEK (Frankfurter Neue Presse, 2.6.08 )

Gallus-Theater Farbenlehre mit praller Bilderfülle
Mit Farbe wird gespart. Es dominiert die klassische Polarität von Schwarz und Weiß. Bunte Töne sind als Tupfer auf einer Grundierung von schlichter Eleganz aufgetragen. Was aber heißt beim Ensemble 9. November schlicht ? Die Bilderfülle bordet über im Musiktheaterstück "Aus dem Leben einer Farbe" , einem in Frankfurts Gallus-Theater zur Premiere gebrachten Wurf von Wilfried Fiebig. Die eine Hälfte des Leitungsduos steht für die kantige Handschrift der Gruppe. Theater, Tanz, Kunst, Musik, Literatur und Philosophie werden zum janusgesichtigen, doch homogenen Ganzen gefügt. Die Zuschauer werden abgeholt von den Saxophonisten des Vierfarben-Quartetts um Bastian Fiebig. Wandelnd auf den Bodenfresken der Städelabsolventin Zero Heiko Ishihara, schichten sie mit kanonartigen Einsätzen ihre Töne. Groteske bis poetische Tänzchen wagt das Duo Raija Siikavirta(Christian Lehmann-Carrasco. Goya zu sein behaupten beide, er angetan mit raumhoch schwankenden Holzgestell. Sie, im roten Spiegelkleid, zitiert den Satz vom Fuß, der ein zweites Mal nicht in denselben Fluß tritt. "Nur H2O" , skandieren sie, einer hängenden Schallplatte gleich. das Treiben ist mit Anspielungen quer durch die Epochen gespickt. Farbenlehre-Verfasser Goethe ist obligatorisch, Gertrude Stein, Kurt Schwitters: Tausenderlei im endlosen Textstrom, nur von musikalischen Punkten des Innehaltens gebrochen. Ein Kraftakt der neoavantgardistischen Art. Eine Kunstschau in bewegten Bildern. Acht weiße Tafeln mit reliefartigen Lineaturen schließen an Kunstströmungen der 60er Jahre an. Die Spieler treten in immer neuen bizarren Kostümen auf. Der Künstler als Bühnenarbeiter schafft mit seinen Objekten fortwährend neue Raumsituationen für ein burlesk-expressionistisches Spektakel, in das einige von Helen Körte, zweite Hälfte der Leitung, inszenierte Varieteszenen implantiert sind. Die Tonspur, von Mezzosopranistin GabrieleZimmermann besetzt, changiert zwischen barock durchwirktem Minimalismus, zackigem Jazzgroove und skelettiertem Rap. Drall bis an dem Rand der Überladung, vertraut und jedesmal aufs Neue ein Unikat: So gelingt dem Ensemble produktive Variabilität im Kontinuum!
STEFAN MICHALZIK (Offenbach Post, 6.6.08)

PRESSE-Bilder:


Fotografie - Sabine Lippert
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Premiere: 04. April 2008


Weitere Aufführungen:
Sa. 05. April 2008
So. 06 April 2008
Mi. 09. April 2008
Do. 10 April 2008


Gallus-Theater
Kleyerstr. 15
60326 Frankfurt
069 / 75 80 60 20




Fotos: Sabine Lippert

Gallus-Theater
Kleyerstr. 15
60326 Frankfurt
069 / 75 80 60 20


"Nach Moskau, Teufel noch eins!"

nach dem Roman "Der Meister und Margarita" von Michail Bulgakow



Regie: Helen Körte
Komposition: Uwe Kremp
Bühne: W. Fiebig
Darsteller/innen Raija Siikavirta, Susanne Schyns, Katrin Schyns, Christian Lehmann Carrasco Musiker Johannes Braun (Violine), Monica Ries (Mezzosopran), Uwe Kremp (Piano, Gitarre)

„Das E9N bedient die ganze Palette der Bühnenkunst“
Journal Frankfurt
„Fürwahr eine prächtige, üppige Inszenierung, eine Orgie für alle, die im Theater etwas sehen und hören wollen.“
Frankfurter Rundschau

Unglaubliche Dinge geschehen im Moskau der dreißiger Jahre. Der Teufel selbst ist es, der den Auftakt zu phantastischen Ereignissen gibt. Begleitet von einem langen Kerl und einem Kater stürzt er Moskau in ein Chaos aus Hypnose, Spuk und Zerstörung - die Heimsuchung für Heuchelei und Korruption. Aber die unglückliche Liebesgeschichte zwischen dem Meister und Margarita kann vielleicht noch ein gutes Ende finden ... Fabel, Legende, Phantasie und Groteske verbinden sich in dieser musikalischen Dramatisierung.

Dieser phantastische Roman, aufs Wesentliche verkürzt und verdichtet, liefert den Anlaß- und Ausgangsstoff für seine Auslegung und Interpretation durch eine eigens dazu komponierte Musik, für durchchoreographierte Sprache und Spiel, für Tanz und Bildende Kunst. Mit dieser komponierenden Arbeitsweise orientiert sich das ENSEMBLE 9. NOVEMBER an der Idee des Gesamtkunstwerks.

Vielschichtig die vertikale Objektbühne, in deren Untergrund, Parterre und einer ersten, schwebenden Etage sich das phantasiebewegte Spiel präsentiert. Assoziationen von Eispalast, Versaille, Kanalisation, Grandhotel, Mietshaus, Irrenhaus wechseln sich ab. Die Bühne ist ein weißer Kubus, zerteilt durch ein verspiegeltes Kreuz (siehe: Kasimir Malewitsch, 1917). Die zu Collagen geronnenen Kostüme unterstützen die starke Visualität des Spiels. Sein Wirken besteht darin, Themenschwerpunkten des Romans in einem Band aus bewegten Bildern zum Leben verhelfen. So sehen wir eine Rap-Arie für Wohnungssuchende, das Moskauer Literaten-Menü als Spitzentanz, einen walzenden Satansball, ein Schachspiel, Zug um Zug und Sprung, die Jagd auf einen Devisnik in den Schächten der Stadt.

Michail Bulgakow wurde am 15. Mai 1891 in Kiew geboren und starb am 10. März 1940 in Moskau. Nach einem Medizinstudium arbeitete er zunächst als Landarzt, zog aber dann nach Moskau, um sich ganz der Literatur zu widmen. Er gilt als einer der größten russischen Satiriker und hatte zeitlebens unter der stalinistischen Zensur zu leiden, seine zahlreichen Dramen durften nicht aufgeführt werden, seine bedeutendsten Prosawerke konnten erst nach seinem Tod veröffentlicht werden.

1999 Gastspielreise Moskau/Jaroslawl, wieder in Frankfurt 2008




 


Fotos: Sabine Lippert

Vorstellungen Vormittags


Eintritt : Kinder/ Jugendliche 5 EURO

November

Donnerstag, 15.11.07 - 11.00 Uhr - PREMIERE -
Freitag, 16.11.07 - 11.00 Uhr
Mittwoch, 28.11.07 - 11.00 Uhr

Dezember

Montag, 3.12.07 - 11.00 Uhr
Dienstag, 4.12.07 - 11.00 Uhr
Mittwoch, 5.12.07 - 11.00 Uhr
Donnerstag, 6.12.07 - 9.00 Uhr
Montag, 17.12.07 - 11.00 Uhr
Dienstag, 18.12.07 - 11.00 Uhr
Mittwoch, 19.12.07 - 11.00 Uhr
Donnerstag, 20.12.07 - 9.00 Uhr

Vorstellungen Nachmittags

Eintritt : Erwachsene 11,00 EURO (ermäßigt 7,00 EURO) Kinder/Jugendliche 5,00 EURO

November

Samstag, 17.11.07 - 15.00 Uhr
Sonntag, 18.11.07 - 15.00 Uhr

Dezember

Samstag, 8.12.07 - 15.00 Uhr
Sonntag, 9.12.07 - 15.00 Uhr
Sonntag, 16.12.07 - 15.00 Uhr
Sonntag, 23.12.07 - 15.00 Uhr

Vorstellungen Abends

Eintritt 11,00 EURO (ermäßigt 7,00 EURO) Kinder/Jugendliche 5,00 EURO

November

Sonntag, 18.11.07 - 20.00 Uhr - PREMIERE -

Dezember
Donnerstag, 20.12.07 - 20.00 Uhr
Freitag, 21.12.07 - 20.00 Uhr - für Erwachsene DERNIERE

Gallus Theater

069-758060-20
gallustheater.de
   

Die Weihnachtsgeschichte
Von Charles Dickens

Ein Musiktheater für Kinder
und Erwachsene von 6 - 96


Ebenezer Scrooge, ein skrupelloser Geschäftemacher, verkörpert das Sinnbild für Herzenskälte, Härte und Rücksichtslosigkeit gegen sich und seine Umwelt. In der Nacht vor Weihnachten wird er vom unglücklichen , rastlosen Geist seines verstorbenen, von ihm hochgeschätzten Partners Jacob Marley , aufgesucht und ermahnt, menschlicher zu handeln. Als er diese Warnung missachtet, erscheinen und verkörpern ihm drei Geister die vergangene, die gegenwärtige und die zukünftige Weihnacht. Für Scrooge beginnt die Reise seiner Wandlung. Es ist zugleich eine Zeitreise, in der ihn die Geister mit intensiven Erinnerungsbildern und Zukunftsvisionen zur Einsicht über das eigene Leben, sowie zur Rückgewinnung der Empfindsamkeit für sich selbst und andere bewegen. Dass es letztlich Scooge selber ist, der zur Selbsterkenntnis gelangt, ist die wesentliche Botschaft Charles Dickens, der des Geizkragens Läuterungsprozess durchaus wohlwollend, phantasievoll und opulent, zugleich aber auch ironisch und mahnend beschreibt. Diese Erzählung eines Schriftstellers, der sich konsequent sozialkritisch für die Armen seiner Zeit einsetzte, gehört zu den Geschichten, die, obgleich hinlänglich bekannt, immer wieder ihren eindringlichen Zauber ausstrahlen. Originell erzählerisch entfaltet und künstlerisch vielfältig inszeniert, können sie das kreative Potential, die spielerische Phantasie, wie auch die Nachdenklichkeit von Jugendlichen und Kindern anregen.

Das "E9N" Theater ist für seine sinnlich opulenten Inszenierungen mit mannigfaltigem Augen- und Ohrenschmaus bekannt. Die phantasievollen Objekte, farbenfrohen, ungewöhnlichen Kostüme und eine äußerst lebendige Bühnengestaltung , des bildenden Künstlers Wilfried Fiebig, mit entsprechendem Lichtdesign, korrespondieren mit der eigens komponierten vielschichtigen Musik von Martin Lejeune - Jazzpreisträger der Stadt Frankfurt - die Klänge von der Klassik bis zum Jazz mit der spielerischen Freizügigkeit von Improvisation verbindet. Drei Musiker bespielen zusammen insgesamt 16 Instrumente. So verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen künstlerischen Disziplinen, die wunderbare artistische Vielfalt der Schauspieler - verstärkt durch die einladende Rhythmisierung des Ganzen in Musik, Gesang, Sprache und Bewegung - zu einem Gesamtkunstwerk zusammenströmen.

Die Inszenierung sieht eingestreute kleine Kostproben aus Dickens Originaltext in Form von einfachen englischen Sätzen vor. Das Ensemble stellt interessierten Lehrer/innen das Projekt gerne an Hand einiger Beispiele aus Text und Musik vor.


Inszenierung: Helen Körte


Bühne/Objekte/Kostüme: Wilfried Fiebig
DarstellerInnen: Raija Siikavirta, Katrin, Schyns, Barbara Schwarz, Fernando Fernandez, Gabriel Spagna
Musiker: Martin Lejeune (Musik u. Komposition), Jens Hunstein, Timo Neuman

Dauer circa 70 Minuten
geeignet für Kinder ab 6 Jahren

Vormittagsvorstellungen nur mit Voranmeldung

Geiz ist geil
Dickens' "Weihnachtsgeschichte" im Gallus Theater

Bei Saturn ist Geiz endlich nicht mehr geil - dafür aber jetzt im Gallus Theater. Denn ohne Geiz gäbe es keinen Ebenezer Scrooge, und ohne diese von Charles Dickens geschaffene Figur gäbe es die hinreißend von Helen Körte in Bilder, Skulpturen und Musik gesetzte "Weihnachtsgeschichte" nicht. Eine wahrlich "geile" Show des "Ensemble 9. November", wie nach der Premiere 200 Schüler mit Trampeln und Johlen bekundeten. Die in jedem englischen Schulbuch erzählte Geschichte des Geizkragens Scrooge, der nach der Erscheinung dreier Geister von seiner Herzenskälte geheilt ist, wirkt in der surreal angehauchten Inszenierung alles andere als moralinsauer und weihnachtsplätzchentrocken. So viel bildnerische Phantasie erlebt man selten im Theater. Ausstatter und Bühnenbildner Wilfried Fiebig hat mit seiner überbordenden Phantasie die skurrilsten Figuren geschaffen, lebende Kunstwerke, die aussehen, als ob sie dem Zauberreich eines Arp oder Picasso entsprungen seien. Der in glänzenden Schrott gerüstete Geist der Vergangenheit hält Scrooge in Erinnerungsfesseln gefangen und beschwört des Geizhalses verlorene Jugend herbei. Der bunte Geist der Gegenwart lässt auf der Rückwand der Bühne altmeisterlichste Stillleben-Genüsse aufleuchten, der schwarz gewandete Geist der Zukunft zeigt dem Geizhals mit roter Vogelhand sein einstiges Begräbnis. Starke Bilder sind Körte eingefallen, Bilder, die sich einprägen, weil sie nicht bieder-realistisch wiedergeben, sondern überzeichnen, karikieren - und verblüffen. Dickens' Weihnachtsgeschichte ist hier eine Art Weihnachtsmusical, aber keines mit einschmeichelnder Webber-Musik, sondern mit kontrapunktischen Tönen von Martin Lejeune. Wobei es an schmissigen Songs nicht fehlt. "Hu huuuu - how do you do? Der Wind, der Wind, das himmlische Kind. Gespenster kommen und gehen geschwind." Raija Silkavirta, die in keinem Stück des "Ensemble 9. November" fehlt, ist jetzt in Männerhosen geschlüpft und hüpft als Scrooge wie ein Slapstick-Mime über die Bühne. Sie und die anderen Darsteller - Katrin Schyns unter anderem als Marley, Gabriel Spagna, Barbara Schwarz und Fernando Fernandez als Geister - sind eingebettet in eine ausgeklügelte Choreographie, welche die Aufführung auch zu einem Stück Tanztheater macht. Virtuos fügt die Regisseurin die verschiedenen Kunstformen zu einem kleinen, coolen Gesamtkunstwerk zusammen - für ein Publikum von 6 bis 96. Hans Riebsamen, F.A.Z., 17.11.2007, Nr. 268 / Seite 58

Scrooge und der Vogel auf dem Einrad Ein bunter Dickens in Frankfurt

Charles Dickens' "Weihnachtsgeschichte" (1843) wird gemeinhin Kindern geschenkt, gehört aber auf den Geschenkestapel für abgebrühte Arbeitgeber. Es spielt in der Zeit, als an die Moral appelliert werden musste, weil das Gesetz den Armen nicht zu ihrem Recht verhalf. Der abgebrühte Arbeitgeber wird nun von Geistern heimgesucht, die ihn Mores lehren. Darauf erhöht er die Gehälter und kauft für alle einen riesigen Truthahn. Denn weil Weihnachten ist, geht die Geschichte zum Weinen gut aus.

Interessanterweise lässt sich das Ensemble 9. November im Frankfurter Gallus Theater nun weder auf die Aktualität noch die weihnachtssüße Sentimentalität ein. Unter der Regie von Helen Körte und in der von Wilfried Fiebig gebauten Objekt-, Kostüm- und Maskenumgebung dreht sich vielmehr ein fantastisches Kaleidoskop für uns. Der Arbeitgeber, Scrooge heißt der Kerl, mag dabei den Albtraum seines Lebens durchleiden. Wir aber haben unser Vergnügen. Raija Siikavirta spielt Scrooge als wendigen Wicht, dessen Anzug ihn in eine raffinierte Mischung aus Skelett, Sträfling und Schlafanzugträger verwandelt. Das passt alles drei sehr gut. Vor schwarzem Grund tauchen nach und nach Gespenster und Gespenstisches auf: ein klirrender Glasmann, ein Einrad fahrender Paradiesvogel, ein wie ein Pilz sich aufblasender Plumpudding, und der arme ulkige Scrooge wird an Seilen gezogen, und bald tut es ihm doch schon leid. Den Augen ist das eine Lust, den Ohren auch, wofür Martin Lejeune und seine kleine Combo sorgen. Das Gehirn hingegen muss sich schon von selbst einschalten und überlegen, was es da jetzt eigentlich gesehen hat. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene, denn gespielt wird für alle Welt.
Judith von Sternburg, FR-online.de, http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/feuilleton/?em_cnt=1243909

Weihnachten ganz federleicht

Helen Körte vom „Ensemble 9. November“ inszenierte im Frankfurter Gallus-Theater Dickens’ „Weihnachtsgeschichte“.

Die Kinder haben die Inszenierung gutgeheißen. Die berühmte Erzählung von Charles Dickens, der Mr. Scrooge mit Hilfe von dessen verstorbenem Geschäftspartner und den drei Geistern der Weihnacht den Blick für die Mitmenschen öffnet und ihn von seiner Hartherzigkeit befreit, zielt in Körtes Lesart freilich nicht allein auf junge Menschen. Als heißer Theatertip zur Weihnachtszeit taugt sie gleichermaßen für Erwachsene.

Das „E9N“ pflegt einen Bühnenstil von ureigener Ausprägung der theatralen Mittel. Neben der musikalisch-gesanglichen Seite der kleinen, feinen Gesamtkunstwerke zählen Wilfried Fiebigs Kostüme und Requisiten zu den Glanzpunkten. Indem sie über Aug’ und Ohr verblüffen und belustigen, packen sie uns zugleich am Denkvergnügen. Es ist ein Unterschied, ob die Weihnachtsgans, die der geläuterte Geizkragen (Raija Siikavirta als ergrauter Schnauzerträger Scrooge im Anzug wie eine Rechenkolonne und Gefängnisgitter) der darbenden Familie spendiert, nur so ein Gummiadler von drögem Realismus ist. Oder ob er dessen Form und Farbe hat, aber als mehrschichtiger Puten-Querschnitt, als Truthahn-Modell aus topografischen Höhenlinien für farbenfrohe Landvermesser, daherkommt. Wozu ein umständliches Bett für die Geisterstunde, wenn Scrooge Bett, Nachtmütze und Kissen stehend in einem Stück überstreifen kann?

Mitunter ging die Eleganz, das Intellektuelle schon mit dem „E9N“ durch und in die Breite. Diesmal keine Spur davon. Beginnend mit der Erzählerin im Schellenkostüm vorm Vorhang (ihn gibt es in zwei Bühnentiefen, was den Umbau schneller macht als der Gedanken Flug), gelangt diese leichtfüßige „Weihnachtsgeschichte“ dank des glänzenden Ensembles kristallklar und federleicht auf die Bühne. Nichts lenkt vom Geschehen ab. Natürlich ist das weithin ein Verdienst von Helen Körte und, bis aufs Finale, der zwischen Kurt-Weill-Anklängen, Klezmer, Musical, Samba und Rokoko vogelfrei wildernden Originalmusik der kleinen Band „Lejeunes“, die den Rhythmus trägt und lenkt.
Marcus Hladek, 22.11.2007

Theater ohne erhobenen Zeigefinger

Die Geister sprechen mit Mister Scrooge. Sie versuchen seine Seele zu retten. Die schwebt in höchster Gefahr, weil der betagte Geschäftsmann Geiz für Geil hält, und diese Untugend seine Seele verhärtet hat. Von Weihnachten will er nichts wissen. Schließlich handelt es sich um das Fest der Liebe. Am Heiligabend sitzt Scrooge im Kontor und poliert Sparschweine. Barmherzigkeit ist ihm fremd. Sein verstorbener Partner Marley aber, der gleicher Gesinnung gewesen ist, will ihn vor den Strafen warnen, die dem Hartherzigen im Jenseits harren.

Charles Dickens’ 1843 entstandene „Weihnachtsgeschichte“ birgt eine ganz offenkundige Moral. Am Ende ist Scrooge geläutert. Regisseurin Helen Körte indes, die das Weihnachtsmärchen mit dem Ensemble 9. November im Frankfurter Gallus-Theater zeigt, verzichtet in wohltuender Weise auf den didaktischen Zeigefinger. Scrooge, gespielt von der koboldhaften mit dickem Schnauzbart maskierten Tänzerin Raija Sikarvirta, wird von den Geistern zunächst mit seinem einstigen Ich als kleiner Schuljunge konfrontiert, später mit den Folgen seines gefühlskalten Handelns, schließlich mit dem Grabgang eines Mannes, dem niemand eine Träne nachweint.

Das Ensemble 9. November ist bekannt für eine ausgeprägte Neigung zur überbordenden Fülle an prallen Bildern. Just beim Weihnachtsmärchen halten sich Helen Körte und Ausstatter Wilfried Fiebig für ihre Verhältnisse eher zurück. Daran tun sie gut. Diese 70 Minuten währende Geisterstunde entfaltet ihre Bildkraft in einer strukturellen Schlichtheit. Es handelt sich um ein Erzähltheater mit viel Musik, fast wie in einem Musical. Das von dem Komponisten Martin Lejeune an der Gitarre angeführte Trio ist im Jazz verwurzelt. Es schafft Atmosphären, von der Zirkusmusik bis hin zur Geistermusik.

Die Erzählweise wurzelt in der Gegenwart, vermeidet jedoch, abgesehen von einigen kabarettistischen Anspielungen, eine vordergründige Aktualisierung. Damit erschließt sie Räume zur individuellen Auseinandersetzung. Ein Theater, das fordert und nicht gängelt. Es ist Kunst, nicht Schulstunde. Damit hält es, was andere nur versprechen! Diese „Weihnachtsgeschichte“ eignet sich tatsächlich „für Kinder und Erwachsene von 6 bis 96“. Und: Warum eigentlich soll es für Hundertjährige nicht taugen?
Stefan Michalzik, Offenbach Post